Heidenheimer Modellprojekt kann Vorreiterrolle für Komplementärmedizin in Deutschland einnehmen

Am Montag, 13. Febrar 2012 besuchte Birgit Bender, die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, die Belegklinik für Homöotherapie im Klinikum Heidenheim. Sie machte sich ein Bild von den Behandlungserfolgen dieser Einrichtung, deren geplantes Modellvorhaben beispielhaft und maßgeblich für die deutsche Komplementärmedizin sein kann.

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Stippvisite in Homöotherapie-Belegklinik: v. l. Dr. Andreas Laubersheimer, Birgit Bender, Dr. Ulrich Geyer, Dr. Jens Edrich und Elisabeth Komm-Häfner beim Gespräch mit einer Patientin

Bei ihrem Rundgang durch die Belegklinik gab Belegarzt Dr. Andreas Laubersheimer der Bundespolitikerin Einblicke in die Behandlungsmethoden dieser hier seit 65 Jahren bestehenden medizinischen Disziplin, deren traditionsreiches Wirken maßgeblich auf dem engagierten Einsatz der Bevölkerung aus der Stadt Heidenheim und dem Landkreis beruht. Deren Zukunft steht aufgrund zunehmender restriktiver Maßnahmen seitens einiger Krankenkassen auf dem Spiel. Im Gespräch während der Stationsbesichtigung mit dem Heidenheimer Belegarzt, den niedergelassenen homöopatisch-anthroposophisch tätigen Ärzten Dr. Jens Edrich und Dr. Ulrich Geyer, der Buchautorin Renate Hartwig sowie Elisabeth Komm-Häfner vom Kreisverband Bündnis 90/ Die Grünen, verwies die Bundespolitikerin auch auf positive Reaktionen aus dem Ministerium. Ihr gegenüber habe die baden-württembergische Arbeits- und Sozialministerin Katrin Altpeter ihre Unterstützung bestätigt. Diese soll die Zukunft der Belegklinik auf eine sichere Basis stellen. Bender unterstrich zudem die Bedeutung therapeutischer Vielfalt in der Medizin, komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden gebühre eine Chance. Sie begrüßte es, dass sich die Belegklinik einer wissenschaftlichen Evaluation stellen wolle. Dies könne dazu führen, den Bedenken solcher Kassen entgegenzutreten, die die Wirksamkeit einer komplementärmedizinischen Behandlung in Frage stellten. Dr. Ulrich Geyer betonte, dass die Methode eines solchen Wirksamkeitsnachweises, wie es im Modellprojekt geplant sei, der Therapierichtung angemessen sein müsse. Eine „Doppelblindstudie“ wie sie in der Schulmedizin üblich sei, mache keinen Sinn. Deshalb würde die Belegklinik in diesem Vorhaben mit der Universität Witten/Herdecke zusammenarbeiten, die große Erfahrung mit solchen Studien hätte. Beeindruckt zeigte sich Bender beim Gespräch mit einer MS -Patientin über die bei ihr bereits in kurzer Zeit erzielten Behandlungserfolge. Diese konnten Dank der Arbeit des Therapiepersonals der Station 2 und durch den Einsatz einer großen Bandbreite homöopathisch- anthroposophischer und damit nahezu nebenwirkungsfreier Medizin erreicht werden. Für die seit vielen Jahren an dieser chronischen Erkrankung leidende junge Frau bedeutet beispielsweise die hier wiedergewonnene Mobilität einen erheblichen Zugewinn an Lebensqualität. Diese Patientin sei kein Einzelfall, erläuterte Dr. Laubersheimer. Zwar sei die Therapie zeitintensiv und mitunter würde es auch etwas dauern, aber man könne sehr vielen der MS - Patienten weiterhelfen. Zudem seien bei der MS die Therapiekosten um einiges geringer als bei einer herkömmlichen Therapie. Auch bei anderen Erkrankungen in der Praxis, bestätigte Dr. Jens Edrich, würde er ähnliche Erfahrungen machen. Auch wenn die homöopathisch- anthroposophische Behandlung zu Beginn der Behandlung teurer sei, so zeigten die Langzeiterfolge eine deutliche Einsparung von Ressourcen bei besserer Lebensqualität der Patienten. Klinik-Geschäftsführer Reiner Genz und Belegarzt Dr. Andreas Laubersheimer bedauerten die stetig steigende Zahl der durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen nachträglich in Frage gestellten Behandlungen in der Belegklinik. In Folge dessen werden die erbrachten Leistungen in vielen Fällen nicht mehr vergütet. Diese Einnahmeausfälle könne das Klinikum auf Dauer nicht mehr aus eigener Kraft tragen, hinzu kämen die Auswirkungen des vom Gesetzgeber geänderten Vergütungssystems für Praxisärzte, die die Arbeit der konservativ tätigen Belegärzte im Haus immer unrentabler mache. Daher setze man große Hoffnungen auf das Modellprojekt für die Heidenheimer Homöotherapie. Genz berichtete, dass die Konzeption für das Modellprojekt im Entwurf stehen würde. Dieses werde derzeit von Experten geprüft. Nachdem deren Urteil eingeholt sei, könne man weitere Schritte einleiten. Mit Hilfe des Sozialministeriums und hiesiger politisch Verantwortlicher würde man an die Krankenkassen herantreten, von denen dann die weitere Initiative ausgehen müsse. Hier gelte es, weiterhin Überzeugungsarbeit auf allen Ebenen zu leisten. Das Projekt kann bis zu acht Jahre laufen. Die Homöotherapie im Klinikum trage das Prädikat „besonders wertvoll und erhaltenswert“ und könne auch als deutschlandweit ausbaubar angesehen werden, gerade heute im Zuge der zunehmenden Resistenzen auch aufgrund hohen chemischen Medikamentenkonsums. Das geplante Heidenheimer Modellprojekt wecke bundesweit großes Interesse, dies belegen zahlreiche Anrufe aus anderen Krankenhäusern, so Dr. Laubersheimer, man kann die Belegklinik quasi in einer maßgeblichen Vorreiterrolle für die Zukunft der Komplementärmedizin in der deutschen Krankenhauslandschaft sehen. Positive Ergebnisse aus dem Modellprojekt könnten den Durchbruch der Komplementärmedizin für Patienten bilden, so die Einschätzung des Mediziners.