Entstehungsgeschichte

Zur Vorgeschichte

Im Mittelalter waren um Heidenheim herum alle Christlichen Orden mit Klöstern aktiv am kulturellen Leben beteiligt. Dabei war die Betreuung von kranken Menschen eine wesentliche Aufgabe für die Nonnen und Mönche. Damals entstand die Grundlage für die Homöopathie. Mit der Entwicklung der „Naturwissenschaftlichen Medizin“ nahm die Bedeutung der Homöopathie schnell ab und geriet am Ende des 19. Jahrhunderts in eine „Außenseiterrolle“. Es entstand schon 1886 der erste „Verein für Homöopathie und Lebenspflege“ in Heidenheim, dem viele weitere Gründungen im Landkreis folgten. Ende 1922 waren bereits 13 Vereine aktiv.Hauptanliegen dieser Bürgerbewegung war es, neben den konventionellen Heilmitteln und Heilmethoden auch die von Hahnemann entwickelten Gesundheitswege ernsthaft zu nutzen und weiterzu- entwickeln.

Entstehung der „Homöopathischen Abteilung“ in Heidenheim

In den Jahren 1924-1926 (Wirtschaftskrise) wuchsen die Mitgliederzahlen der Vereine rasant und es kam zu einer Unterschriftensammlung für das Einrichten weiterer Homöopathischer Arztpraxen, in deren Folge auch Dr. med. Rudolf Jehn nach Heidenheim kam und eine Praxis eröffnete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in den Vereinen der dringende Wunsch laut, auch im Kreiskrankenhaus homöopathisch behandelt werden zu können. Dr. Jehn, der zu dieser Zeit die „Innere Abteilung“ im Krankenhaus leitete, wurde zum „Handelnden“in dieser Sache: Er stellte den Antrag an den Kreisrat und hatte Erfolg. Am 6. Juni 1946 beschloss der Kreisrat, eine „Homöopathische Abteilung“ mit 15 Betten zu genehmigen.

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Dies war die Geburtsstunde der heutigen Homöotherapeutischen Belegklinik.

Die neue Belegabteilung zog in das ursprüngliche Isolierhaus, das südlich des Haupthauses im Park lag. Es wurde dann mit dem Namen: „Jehn-Häusle“ bedacht. Die Einrichtung war sehr primitiv, es fehlte „an allem“. Erst 1952 wurde Wasser in die Räume gelegt, die Verbindung zum Haupthaus war schwierig, eine Nachtglocke kam erst 1955. Dennoch wurden jährlich 240 bis 270 Patienten aufgenommen und erfolgreich und liebevoll behandelt. Schon damals erwies es sich als großer Vorteil, mit der homöopathischen Versorgung in der Nähe eines gut ausgestatteten Krankenhauses zu sein, um dessen Diagnosemöglichkeiten nutzen zu können. Um es auch finanziell schwächeren Patienten zu ermöglichen, in der Homöopathie aufgenommen zu werden, wurde eine „Freibettspende“ eingerichtet. Dr. Jehn leistete seine schwere Aufgabe in aufopfernder Weise. Nicht selten kamen die „Notrufe“ in der Nacht (am Tage wieder die Praxis) und die vielen Aufgaben in einer solchen Station kosteten sehr viel Kraft. Seine Behandlungsschwerpunkte lagen in der konsequenten homöopathischen Versorgung, die nicht nur das Physische betraf, sondern den „Ganzen Menschen“ gesund machen wollte. Wichtig war für ihn, dass die Homöopathischen Vereine stützend hinter der Station und ihm als Leitendem Arzt standen und seine Tätigkeit wohlwollend begleiteten.

 

 

Der Wechsel in der Führung der Abteilung von Dr. Jehn zu Dr. Klett

Im Alter von 64 Jahren gab Dr. Jehn die Leitung im „Jehn-Häusle“ ab. Er suchte vorher selbst nach einem Nachfolger für die Leitung der Homöopathischen Abteilung. Er bat Dr. Hans Klett, der als anthroposophischer und homöopathischer Arzt seit 1946 in Hei-denheim eine Praxis als Hausarzt führte, sich beim Landkreis zu bewerben. Bei seiner Vorstellung im Landkreis führte Dr. Klett aus, wie er die homöopathische Behandlung der Patienten mit anthroposophischer Medizin ergänzend weiterentwickeln wolle. Damit zeichnete sich ab, dass von nun an auch zu den „altbewährten Heilmethoden“ neue hinzukommen müssen, die sich aus einem aus Wahrnehmung und Erkenntnis des Arztes erweiterten Umgang mit den kranken Menschen ergeben. „In aller Stille“ kümmerte sich Dr. Klett liebevoll um alle Patienten, ohne besonders, wie es ja damals üblich war, die „Prominenz“ zu bevorzugen. Die Weiterentwicklung der „Technischen Diagnose“ in der Medizin wurde von ihm konsequent genutzt, was auch Probleme brachte: Mussten doch die Patienten mit ihren Betten vom Jehn-Haüsle aus durchs Freie in das Haupthaus gefahren werden, in dem die Untersuchung stattfinden musste. Viele Patienten nahmen, selbst bei einem Herzinfarkt, diese Umstände auf sich, weil sie großes Vertrauen in den eingeschlagenen Weg hatten. Es war das große Verdienst von Dr. Klett, mit der Einführung der Anthroposophischen Medizin die „Heilkunst“ in eine neue Dimension zu führen, die in der Folgezeit kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Die Homöopathische Belegabteilung wurde zur Homöotherapeutischen Belegabteilung umgewandelt.

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